Graumarkt – Zerstörtes Luxusimage

Dieses Thema enthält 3 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  dany vor 11 Jahre, 2 Monate.

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    taner
    Keymaster

    Das aktive Vorgehen der Luxuskosmetikindustrie hat dazu geführt, dass der Graumarkthandel in den letzten Jahren zunehmend in seine Grenzen verwiesen werden könnte. Dennoch liegt die geschätzte Graumarktquote immer noch bei ein bis fünf Prozent. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass der Graumarkt verstärkt zum Einfallstor für Produktpiraterie wird. Anlass genug, dass Thema immer wieder für alle Betroffenen transparent zu machen. Wir haben für Sie die wichtigsten rechtlichen Fragen zum Thema Graumarkt gestellt.

    Ein Gespräch mit Dr. Andreas Lubberger, Rechtsanwalt, Berlin

    Was versteht man genau unter Graumarkt?
    Mit der Bezeichnung „Graumarkt“ ist der Handel von Originalware in inoffiziellen Absatzkanälen angesprochen. Das Gesicht des Graumarktes unterscheidet sich von Branche zu Branche. Im Bereich der Luxuskosmetika, dessen Vertrieb aufgrund selektiver Vertriebsverträge mit den sog. Depositären vertraglich sehr genau geregelt ist, bezeichnet man als Graumarkt den Handel mit Luxuskosmetika außerhalb des Depot-Systems.

    Ist der Graumarkt-Handel denn nun eigentlich erlaubt oder verboten?
    Darauf gibt es keine generelle Antwort. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Im Bereich der Luxuskosmetik gibt es viele rechtswidrige Graumarktangebote: Die Markenrechte der Hersteller werden verletzt, wenn Produkte aus dem außereuropäischen Ausland eingekauft wurden. Die vertraglichen Pflichten werden verletzt, wenn vertraglich gebundene Depositäre heimlich Ware in den Graumarkt hineinschieben.
    Das Eigentum und die Markenrechte der Hersteller werden verletzt, wenn Handel mit Testern getrieben wird. Das Wettbewerbsrecht wird verletzt, wenn Code-Nummern entfernt werden oder Depositäre zum Vertragsbruch verleitet werden. Das Kosmetikrecht und auch das Markenrecht werden verletzt, wenn Produkte ohne Umverpackung und damit ohne die notwendigen Verbraucherinformationen in den Verkehr gebracht werden. Das kommt vielfach vor und oft sind deshalb Graumarktangebote illegal.

    Was tun die Hersteller gegen den Graumarkt?
    Die Hersteller tun sehr viel. Ich kenne keinen Hersteller von Luxuskosmetika, der nicht in irgendeiner Weise entweder offen oder versteckt Code-Nummern auf seinem gesamten Sortiment oder mindestens den besonders gefährdeten Produkten anbringt, um auf diese Weise die Einhaltung des Depotsystems und die Selektivität des Vertriebes zu überwachen. Wer als Depothändler in den Graumarkt schiebt und dabei erwischt wird, zahlt hohe Vertragsstrafen oder fliegt raus. Darüber hinaus wird der Markt durch Testkäufe überwacht. Das ist allerdings sehr aufwendig und kostet sehr viel Geld, so dass die Firmen nach meinem Eindruck hier in unterschiedlicher Intensität aktiv sind. Stellt man in einem Testkauf einen der oben genannten Verstöße fest, kann heute nicht nur ein Anspruch auf Unterlassung geltend gemacht werden, sondern auch ein Anspruch auf Auskunft über die Vertriebskanäle, d.h. über die Graumarktquellen. Auch wenn es keine genauen Zahlen gibt, ist es nach meiner Einschätzung in den letzten Jahren gelungen, die Graumarktquote von über 15 % in einen Bereich von 1 bis 5 % zu drücken.

    Was ist schädlich am Graumarkt?
    Die Kunden finden den Graumarkt gut und haben ein Erfolgserlebnis, wenn sie auf der Schnäppchenjagd wieder fündig geworden sind. Umso mehr ist es notwendig, immer wieder auf die erheblichen wirtschaftlichen Gefahren und langfristigen Schadensfolgen des Graumarkthandels hinzuweisen. Das lässt sich gerade im Bereich der Luxuskosmetika sehr gut demonstrieren. Denn es gibt wohl kaum einen anderes Segment, in dem Hersteller und Fachhandel so eng zusammenarbeiten. Die Hersteller bringen ihre Kreativität, immer neues und ansprechendes Design, hochwertige Qualität und enorme Werbeanstrengungen ein. Der Fachhandel investiert in gute Lagen, teure Einrichtungen und insbesondere natürlich in geschultes Fachpersonal für einen hochwertigen Verbraucherservice. Erst aus der Gesamtheit dieser Aktivitäten entsteht ein ganz bestimmtes, unverwechselbares Markenimage und erst daraus erwachsen Nachfrage und Kundenbindung. Das ist ein komplexes Zusammenspiel, aber es lässt sich einfach damit zusammenfassen, dass durch eine Vielzahl unterschiedlicher Leistungen gemeinsame – immaterielle – Werte geschaffen werden. Diese Werte schöpft der Graumarkthandel ab, ohne an ihrem Aufbau irgendwie beteiligt zu sein. Das allein ist schon schlimm genug. Der Graumarkthandel vernichtet aber auch zugleich die von Herstellern und Handel gemeinsam geschaffenen Werte, indem er falsche Preisbotschaften vermittelt und indem er Luxusprodukte in einem Geschäfts- oder Versandhandelsumfeld anbietet, die das Luxusimage zerstören.
    Insbesondere aber konzentriert sich der Graumarkthandel auf die schnelldrehenden Düfte und schwächt damit den Fachhandel gerade dort, wo er höchsten Deckungsbeiträge
    erwirtschaftet.

    Dann dient also die Bekämpfung des Graumarktes vor allem der Vermeidung von Langzeitschäden?
    Ja und Nein. Auch in der „Graumarktwirtschaft“, wenn ich das so sagen darf, vollzieht sich der Prozess der Konzentration und Globalisierung. Es gibt immer weniger international aktive Großhändler und diese arbeiten weltweit und sehr professionell. Zugleich gibt es, vor allem aus Nahost und aus China, einen sprunghaften Anstieg an z.T. perfekten Fälschungen. Es besteht kein Zweifel, dass der Graumarkthandel dieses Geschäft mitbetreibt. Der Graumarkt ist das Einfallstor für echte Produktpiraterie. Wenn wir dagegen vorgehen, schützen wir den Handel unmittelbar vor Umsatzverlusten und die Verbraucher vor einem Betrug.

    Was ist mit eBay?
    eBay ist nicht nur der größte Online-Marktplatz der Welt, er ist auch ein Tummelplatz von Dieben, Hehlern und sonstigen Kleinkriminellen. Wir überwachen für mehrere große Hersteller täglich die Angebote und kommen pro Woche auf mehrere hundert schon aus dem Angebot ersichtlicher Verstöße. Die schiere Masse ist kaum zu bewältigen. Deshalb ist es unser erstes Ziel, dass eBay selbst mit elektronischen Filtern kontrolliert und wir hoffen, dass wir diese Verpflichtung in den nächsten ein/eineinhalb Jahren juristisch durchsetzen können. Denn insbesondere die Fälschungen nehmen ständig zu. Ich muss aber auch sagen, dass unsere Auswertungen uns sehr deutlich darauf hinweisen, dass einige Depositäre eBay als zweiten Vertriebskanal benutzen. eBay tut ein übriges und lädt den Fachhandel auch noch dazu ein, Depotware über eBay-Shops zu verkaufen. Auch dagegen gehen wir juristisch vor.

    Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Schon seit längerer Zeit kann man sich nicht mehr einfach anonym bei eBay mit einer e-Mail-Adresse anmelden. Demnächst müssen alle Anbieter angeben, ob sie privat oder gewerblich tätig sind. Und im Sommer bekommen wir eine weitere Verschärfung des Markenrechts, mit der wir endlich die Klardaten der Anbieter von rechtsverletzender Ware unmittelbar bei eBay herausverlangen können. Deshalb habe ich auch die vorsichtige Hoffnung, dass die Goldgräberzeit des Graumarktes bei eBay auf ihr Ende zugeht.

    Weitere Infos unter:

    E-Mail: [email protected]

    #48926

    fnecke
    Teilnehmer

    Sehr interessant

    #48927

    dany
    Teilnehmer

    Hab sowas aber auch schon gekauft….schääääm! war gefälschtes Parfum……seufz und ich hab Ausschlag bekommen…heul!

    #48925

    klaudia
    Teilnehmer

    Genau aus diesem Grund kaufe ich solche Sachen bei eBay nicht!

    Vielen Dank für diesen sehr informativen Beitrag! Gut zu wissen!

    LG Klaudi

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